Suffizienz und Gesundheit – Antreiber und Erlauber

Worauf springen wir an? Was steckt dahinter? Wer schreibt das Skript für unser Lebensdrehbuch und wie viel Dornröschen steckt in uns? Vom Ballastabwerfen für Große.

Schalter

Warum fällt es unseren Familienmitgliedern so leicht, unsere Stress- Frust- und Ärgerschalter zu finden (und sie in einem fort zu betätigen)? Die Antwort ist einfach: Sie waren einst diejenigen, die sie bei uns installierten. Wenn sie nicht genau wüssten, wo sie uns triggern, wär’s ein Wunder.

Tiger, Chef und andere Zumutungen

Klar, Stress ist ein evolutionärer Mechanismus, der so erfolgreich ist, dass es uns als Spezies Mensch heute noch gibt. Ist ja ganz einfach: Lebensgefahr – Zack! – Adrenalinflut – Hirn aus, Atmung flach – Kämpfen/Flüchten/Totstellen – Darwin. Also im Schnelldurchlauf.

Was angesichts eines wütenden Säbelzahntigers eine ausgesprochen sinnvolle Reaktion war und uns evolutionär unter anderem bis heute gebracht hat (im Gegensatz zum Säbelzahntiger, der wohl irgendwann falsch abgebogen ist). Heute haben wir die Stressreaktion immer noch drauf. Gut, wenn akute Lebensgefahr droht. Nicht so gut, weil unser vegetatives System nicht zwischen wütenden Raubkatzen und wütenden Vorgesetzten unterscheiden kann. Adrenalin, Atmung und eine Beschränkung auf Fight/Flight/Freeze sind exakt dasselbe wie seinerzeit bei unseren grunzenden Primatenvorfahren.

Und als ob das nicht genug wäre an historischem Ballast, laufen wir alle zusätzlich mit einem Rucksack voller Glaubenssätze durchs Leben, Andenken an unsere Kindheit. Wobei wir – im Gegensatz zum Stressreflex – in dem Fall wenigstens das Steuer in die Hand nehmen können.

Regieanweisungen fürs Lebensdrehbuch

Der amerikanische Psychologe Eric Berne formulierte in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter anderem die sogenannte Skriptanalyse. Skripts stellen wir uns der Einfachkeit halber vor als Regieanweisungen für unser Lebensdrehbuch. Soll heißen, wir wurden in unserer Kindheit von den Eltern und anderen Erziehungspersonen mit Anweisungen so hartnäckig betextet, dass es viele dieser sogenannten Skripts in unser Unterbewusstsein geschafft haben, wie Wasser, das lange Zeit durchs Gestein sinternt, dann im Untergrund verbleibt und sich irgendwann an völlig anderer Stelle als Quelle seinen Weg aus dem Berg bahnt. So oder so ähnlich sickerten diese Anweisungen viele Jahre lang in unsere Persönlichkeit ein, und heute springen wir auf Stress-Trigger an, ohne die leiseste Ahnung zu haben, welche Auslöser dahinterstehen.

Big Five im Giftschrank

Beispiele gefällig? Hier sind, stellvertretend für viele andere Skripts, die Big Five, die uns alle mehr oder weniger betreffen: 1. Sei stark! 2. Streng dich an! 3. Sei perfekt! 4. Mach schnell! 5. Mach es allen recht! Ein Giftschrank voller Stress-Antreiber, Glaubenssätze, die wir als größere oder kleinere Steine mit uns durchs Leben schleppen. Das Perfide daran ist, dass du nie wissen kannst, was du alles im Rucksack hast. Es sei denn, du machst am Wegesrand Halt, setzt den Rucksack ab, schnürst ihn auf und siehst nach, was drin ist. Sind’s wertvolle Edelsteine, glitzernde Kristalle, die dir in deinem heutigen Leben wertvolle Dienste leisten? Oder sind’s Wackersteine, die außer schwer nur schwer sind und in deinem heutigen Leben keinen erkennbaren Nutzen bieten?

Von guten und bösen Feen

Skripts, das ist ein bisschen wie im Märchen vom Dornröschen. Da defilieren die Feen an der Wiege des Kindleins vorbei und jede liefert einen freundlichen, stärkenden Spruch fürs Leben ab, Prophezeihungen, wenn man so will. Jede bis auf die böse Fee. Die grätscht rein ins Defilée, faselt was von Spindel und Finger stechen und tot und macht sich vom Acker. Die letzte gute Fee in der Reihe kann nix unternehmen als den Spruch, das Skript abmildern. Kein Tod, nur hundert Jahre Schlaf, wir kennen die Story.

Antreibertest

Das Feine dabei ist, dass du dir bei Bedarf selbst gute Fee sein kannst. Und das geht zum Beispiel so: Ich habe dir hier den sogenannten Antreibertest verlinkt. Das ist ein Fragebogen, der dir Gelegenheit gibt, von deinen Stressauslösern – jedenfalls den Big Five von oben – eine Momentaufnahme zu machen. Der Test braucht etwa zehn Minuten Zeit und zeigt dir, nachdem du alles angekreuzt hast, die fünf untersuchten Antreiber in Skalen an. Das entspricht dem ausgeräumten Rucksack voller Steine.

Zur Einordnung: Wenn du bei einem der Stress-Antreiber unter 30 Punkte hast, dann ist dieses Skript derzeit wahrscheinlich nicht sehr aktiv ausgeprägt. Zwischen 30 und 40 Punkten wird sich das Skript schon deutlich in dein Denken und auch deine Kommunikation mit anderen Menschen auswirken. Und bei über 40 Punkten bei Mach schnell! & Co. springst du reflexhaft los, wenn dir wer ein Mail schreibt, in dem ASAP vorkommt (Gott, wie ich dieses Kürzel ekelhaft finde!).

Eine Bergkristallkugel, zwischen zwei Fingern gehalten, im Kristall das Bild eines Baums auf dem Kopf stehend.
Was Steine, in dem Fall der Bergkristall, können: zum Beispiel die Perspektive wechseln

Und erlauben…

Die gute Nachricht, für den Fall akut hoher Werte, ist, dass es sich bei all diesen Glaubenssätzen um etwas handelt, das du einst gelernt hast. Bekanntlich können wir Dinge, die wir gelernt haben, verändern. Die nicht ganz so gute Nachricht: es dauert. Einen Perfektionsanspruch (den du ohnehin nie umsetzen kannst, weil es eben keine Perfektion gibt), wirst du nicht von heute auf morgen am Wegesrand deiner Lebensreise ablegen können. Kein Wunder, immerhin hast du ihn im Lauf vieler Jahre erworben. Was du tun kannst, ist, den Antreibern Erlaubern engegenzustellen, dir selbst sozusagen die gute Fee zu sein. Einige Vorschläge dieser Erlauber findest du weiter unten im Test. Du kannst sie auf Zettel schreiben und diese Zettel an einer Stelle deiner Wohnung anbringen, wo du sie so oft wie möglich zu lesen bekommst. Sie zu verinnerlichen, dauert, wie gesagt, ist aber unvermeidlich, zum Glück!

Wenn du Lust hast, lass dich gern darauf ein, dir das Leben deutlich leichter zu machen. Indem du Ballast abwirfst. Indem du ins Drehbuch deines Lebens einige Regieanweisungen hineinschreibst, die dich freier machen, souveräner.

Hier geht’s zu Infos zu Stefan Peters

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