Wie viel Energie braucht deine Wohnung? Was hängt bei dir alles an der Steckdose? Kichert der Putin, wenn du die Heizung aufdrehst? Was kommt bei deinem Rauchfang raus? Über notwendige Energie und unnötige Werkzeuggeschwister.
Input!
Pulli statt Heizung, Stromlosschalter, Waschen bei 30° – ja eh. Klingt schon wieder nach Wette verloren. Weil lustfeindlich. Aber lassen wir doch die Kirche im Dorf. Wenn du einen Blick auf deine Energiekostenrechnung wirfst und dir die Frage stellst: Wer hat all die Kilowatt an Strom, Gas, Holz und Wasweißich verbraten? Dann ist’s eine gute Gelegenheit, einmal Inventur zu machen. Unsere Wohnungen sind riesige, gefräßige Maschinen, wo jedes Trumm ständig schreit: Füttere mich, ich brauche Input! Energie her, oder ich streike! Ist das noch Energie oder schon Energier?
Das Lasagnemaß
Geh in deine Küche und sieh dich um. Öffne die Schränke und Laden, nimm einen Hocker oder eine Haushaltsleiter und wirf auch einen Blick in die obersten Fächer, dorthin, wo du sonst kaum jemals nachschaust. Was siehst du? Welche Elektrogeräte, angefangen von Kühlschrank, Herd, Backrohr und Geschirrspüler über Kaffee- und Küchenmaschine, Mixer, Pürrierstab und Brotschneidmaschine besitzt du?
Welche wahnsinnig kompliziert ausgetüftelten Küchenwerkzeuge liegen in Laden, hängen an der Wand oder stecken in Messerblöcken, wie viele Pfannen, Töpfe, Siebe und Aufbewahrungsgefäße gehören zu deinem Hausstand? Weißt du noch, wofür sie gebraucht werden, und für welchen Anlass du sie damals angeschafft hast?

Jetzt stell dir vor, dass du kochst. Nichts Großartiges, aber doch ein bisschen Aufwand, sagen wir, eine Lasagne. Dazu brauchst du neben den Zutaten ein Schneidbrett, ein Küchen- und ein Gemüsemesser, eine Pfanne, einen Topf, eine rechteckige Form für den Backofen, Kochlöffel, Schneebesen, Schöpfer und Kelle zum Herausheben der fertigen Lasagne. Zehn Werkzeuge, ziemlich viel auf den ersten Blick. Doch gemessen an dem, was in deiner Küche herumsteht und liegt, ist das ein winzigkleiner Bruchteil, den du wirklich benützt. Der Rest ist im Weg.
Werkzeuggeschwister
Hast du einen Mörser in deiner Küche? Meinen liebe ich ja, aus Granit, schwer, rau, ernstgemeint. Er ersetzt einen Haufen Schneid-, Stampf-, Quirl- und Mixgeräte und kostet im Gebrauch weder Gas noch Strom. Dafür holst du in perfekt meditativem Kreisen des Stößels noch die feinste Aromanote aus Safran, Kräutern, Knoblauch & Co. Sieh dich einmal in einer Profi-Gourmetküche um. Sieht aus wie viel Werkzeug. Stimmt. Doch wenn du genau hinsiehst, sind das bloß viele Exemplare der gleichen Töpfe, Pfannen, Löffel und Messer. Brauchst du, wenn mehrere Menschen gleichzeitig für viele Gäste kochen. Sonst reicht im Wesentlichen das, was du für die Lasagne brauchst. Der Rest ist Impro.
Mikroklima
Als ich in meine jetzige Wohnung einzog, stand in der Küche ein Großfamilienkühlschrank, darüber noch ein kleiner Gefrierschrank. Nach fünf Jahren gab der Kühlschrank endlich den Geist auf. Es war der längst überfällige Anstoß, die beiden meist dreiviertel-leeren Geräte gegen eine passend dimensionierte Kühl-Gefrier-Kombi zu tauschen, quasi Welt- gegen Mikroklima. Zusätzlich gewann ich dabei eine Menge Platz. Weil ich schon dabei war, ersetzte ich das alte Ceran-Kochfeld durch einen Induktionsherd, den ich bei IKEA in der Second Life-Abteilung gefunden hatte. Was die siebzehn Messer in meiner Küche zu suchen haben (ich benütze maximal drei davon) und was die Getreidemühle soll, die ich seit bald dreißig Jahren alle zwei Jahre in Betrieb nehme, das sind Sachen, die ich mir noch überlegen werde.
Selbstversorgung
Klar kann man den Energieeinsatz in der Küche noch weiter optimieren. Einige Jahre lang lebte ich in einem Haus, in dem ich mich für einen Holzherd entschieden hatte. Der Grund waren ein paar tausend Quadratmeter eigener Wald, und ich lernte schnell, dass ich zum Kochen einfach eine Viertelstunde Vorlaufzeit berechnen musste, bis die Platte heiß genug war. Außerdem hatte mein Installateur die Idee, ein paar Schleifen aus Kupferrohr in den Feuerraum zu verlegen und das Ganze mit dem Heißwasserboiler zu verbinden. So erzeugte ich beim Kochen gleichzeitig Warmwasser. Das Wasser übrigens, das kam aus einer Quelle hinter dem Haus. Die Strategie der kurzen Wege, zu Ende gedacht.
Käsekammer
Okay, das mit dem Holzherd und der eigenen Quelle ist jetzt nicht mehrheitsfähig, jedenfalls nicht für eine Stadtwohnung. Aber auch hier kannst du dir überlegen, wie du die Energie, die du verbrauchst, so einsetzt, dass du aus einem Weniger an Einsatz ein Mehr an Komfort herausholst.
Während ich diese Zeilen schreibe, reift in einem auf zwölf Grad geheizten Kabinett Käse heran, den ich vorgestern gemacht habe. Die Temperatur ist ideal dafür und der Raum enthält Garderobe, Stauraum und ein Gästebett (letzteres aktuell unbelegt), braucht also nicht mehr Wärme. Gleichzeitig steht auf der Kochplatte des Schwedenofens im Wohnzimmer ein Kochtopf mit Wasser, in dem ich dann die köstlichen blauen Erdäpfel vom Bauernmarkt kochen werde.

Standby
Wenn du aufmerksam durch deine Wohnung oder dein Haus gehst, sieh dir an, welche Energieverbraucher du hast. Mach das nochmals in der Nacht, schau, wo es blinkt, fiept und surrt. Brauchst du das? Was würde sich für dich verändern, wenn du all das, was auf Standby Strom oder Gas benötigt, abdrehst, auf Null stellst? Wie lange braucht ein Computer, ein Router, um hochzufahren? Eine Minute, zwei? Nimm dir die Zeit, sie macht so gut wie niemals einen Unterschied. Wie oft braucht dein Geschirrspüler das Intensivprogramm, wie oft die Waschmaschine 60° und mehr? Gut, einmal pro Monat sollte letzteres sein, wegen der Keime.
Und sonst? Kein Unterschied, außer natürlich im Energieverbrauch. Dass ein Grad weniger in der Wohnung sechs Prozent Heizkosten spart, hast du vielleicht schon gehört. Schaff dir einen Pulli, eine Weste und Hausschlapfen an. Und wenn du sonnenseitig wohnst, denk über ein Balkonkraftwerk nach. Die Dinger werden jedes Jahr ein bissl günstiger, und du rettest damit nicht nur ein Stück Weltklima, sondern schonst auch noch deine Geldbörse. Außerdem macht dich jedes Kilowatt Energie, das du dir nicht ins Haus holst, ein Stück freier, ein Stück leichter. Und das kann schon was.
Hier geht’s zu Infos zu Stefan Peters


