Wie hoch ist dein Highscore bei Schenkstress? Ist Weihnachten eine Erfindung der Werbewirtschaft? Was macht Augen leuchten? Stille Nacht für alle.
Zuckerguss und Schneehäubchen
Klar, Weihnachten ist die Zeit der dankbar oder wenigstens punschbedingt leuchtenden Augen. Das Fest der Liebe, des Zusammenrückens, familiärer Harmonie, Kerzenzauber, Tannenduft. Na, schießt’s schon in die Zähne? Weihnachten ist eine Materialschlacht, in erster Linie. Eine Zeit, gekapert von merkantiler Gewinnmaximierung, ertränkt unter rotgoldenem Zuckerguss, wie ihn nur die Fernsehwerbung zusammenbringt, garniert mit Schneehäubchen, wie wir sie im Jahre, also, Schnee zuletzt in freier Wildbahn zu sehen bekamen.
Wenn es dunkel und kalt wird
Nein, es ist nicht wahnsinnig romantisch, sich in den Einkaufsstraßen unserer Städte wochenlang mit tausenden anderen Menschen um Sachen zu raufen, von denen wir annehmen, dass die feierliche Übergabe dieser Sachen, verpackt in buntes Papier, in Warenwert und Prestige in etwa den Sachen entsprechen, die wir erwarten, von der Gegenseite geschenkt zu bekommen.
Und, nochmals, nein, es ist mir nicht darum, dir oder sonstwem Weihnachten madig zu machen. Denn es ist eine besondere Zeit, wenn das Jahr zu Ende geht, wenn es draußen dunkel und kalt wird und wir uns (gemeinsam) nach drinnen zurückziehen. Es ist eine Zeit des Nachdenkens über das, was das vergangene Jahr gebracht hat an Ereignissen und Erkenntnissen, was gelungen ist uns wo’s noch einen zweiten Anlauf braucht. Eine Zeit, in der es so einfach wäre, uns mit dem zu beschenken, was schon da ist: Zeit. Miteinander reden, einander zuhören, miteinander kochen, einander gute Bücher vorlesen.
Knietief im Geschenkspapier
Klar, als Wirtschaftswunderkind habe ich Weihnachten einst als Geschenke-Crescendo erlebt. Das Wohnzimmer meiner Eltern war übersät von Päckchen, in der Ecke ein deckenhoher Christbaum, Kerzen, Kugeln, Windringerl. Am Ende des Abends wateten mein Bruder und ich knietief in Geschenkpapier, trunken vor… Vor was? Freude? Glück? Besitz? Ich weiß es nicht mehr.
Noch genauer als an die Geschenke erinnere ich mich daran, dass mein Vater uns Burschen zu Weihnachten ins Technische Museum Wien zu führen pflegte. Ich erinnere mich an die gemeinsame Zeit des Staunens vor Mercedes Silberpfeil, Watt’s Dampfmaschine und Co. Das war wahrscheinlich auch der einzige Tag im Jahr, an dem sich meine Eltern rustikalen Rollenbildern ergaben.

Währenddessen putzte meine Mutter nämlich daheim den Christbaum auf und richtete das Weihnachtszimmer her, eine Art militärischer Sperrzone bis zur Bescherung. In diesen Stunden war es nicht sonderlich ratsam, ihr in die Quere zu kommen.
Wenn ich heute meinen jüngsten Sohn frage, was er sich zu Weihnachten wünscht, und der bald 17-jährige sagt, dass er keine Ahnung hat, weil er ja eh schon alles habe, was er brauche, dann rührt mich das. Klar kriegt er was geschenkt, klar leuchten seine Augen, klar würde ich für diese leuchtenden Augen sonstwas geben. Es sind keine Wohnzimmer voller Geschenke, sondern das eine oder andere, das mir einfällt, wenn ich ihm zuhöre. Und das geht ganz leicht, das Zuhören. Das geht um so vieles leichter als durch bummvolle Einkaufsstraßen zu hasten, auf der Jagd nach Dingen, die oberflächlich betrachtet als halbwegs überlegtes Weihnachtsgeschenk durchgehen.
Stress!
Ich weiß nicht, wie es dir geht. Kennst du das? Den Druck, liefern zu müssen. Den irrsinnigen Stress, der entsteht, wenn du am 15. Dezember noch immer keine Ahnung hast, was du diesem oder jenem Menschen zu Weihnachten schenken sollst. Wenn du vor lauter Verzweiflung in ein buntes Warenhaus einfällst, spontan blödsinnig viel Geld für etwas ausgibst, dich spätestens beim Ausgang besinnst, dass das Ding zwar teuer, aber wenig treffsicher war, beim nächsten Warenhaus reinrauschst, um den Fehlkauf mit einem weiteren Fehlkauf zu kompensieren. Mag sein, dass ich übertreibe, doch höchstens um Nuancen.
So tun wir Weihnachten Gewalt an, machen daraus ein Getöse, das die an das Fest geknüpften Heilserwartungen naturgemäß niemals erfüllen kann. Wie wär’s denn zur Abwechslung einmal mit Stille? Wie wäre es damit, einander Dinge zu schenken, die wir gemeinsam genießen können, die uns die Welt ein wenig verlangsamen, sozusagen entdinglichen.
Wir sind nicht auf der Welt, um dem Handel eine Freude zu machen. Okay, dem Handel ein bisschen Freude zu machen ist jetzt auch ein gutes Werk (in dem Fall schau bitte drauf, dass die Wertschöpfung so lokal wie möglich und so fair wie möglich verteilt ist). Hör ein bisschen mehr auf die Menschen um dich herum, die dir wichtig sind. Und hör ein bisschen weniger auf die Werbung. So wird das was mit Suffizienz unterm Lichterbaum, entspannt für alle.
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